Der Prozentsatz älterer Menschen steigt immer mehr an, jüngere sind eine immer stärker schrumpfende Altersgruppe - in Abstatt und überall im Land. Ein Paradigmenwechsel bei der Städteplanung ist nötig, der diesem demografischen Wandel Rechnung trägt. Foto: Andrea Hohlweck/BUND
(18.07.2025) Dass das Thema "Die Zukunft des Wohnens im Schozach-Bottwartal" interessierte, belegte der voll besetzte Clubraum in der Abstatter Wildeckhalle. Auf Basis aktueller Daten des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg analysierte der Stefan Flaig von der Stuttgarter Beratungsfirma Ökonsult die Entwicklung von Bevölkerungszahlen, Haushaltsstrukturen und Wohnraumbedarf in der Region. Sein klares Fazit: Wer heute noch Neubaugebiete für junge Familien plant, negiert den rasanten demografischen Wandel hin zur alternden Gesellschaft und plant für eine schrumpfende Zielgruppe statt für eine nachhaltige Siedlungs- bzw. Stadtentwicklung. Er fordert einen klaren Paradigmenwechsel. Eine Wohnungsnot existiere de facto nicht, schon jetzt läge die Leerstandsquote in nahezu jeder Kommune bei über 5 %. Was fehle, seien aber forciertes Wohnraummanagement, zielgruppengerechte Angebote wie günstige Mietobjekte für Normalverdienende und seniorengerechte, aber infrastrukturell gut angebundene Wohnmöglichkeiten. Die nachhaltige Siedlungsplanung müsse sich viel stärker auf den Altbestand konzentrieren. Sonst drohe neben klammer Gemeindekassen auch der Donateffekt: Die attraktiven Wohnlagen lägen dann außerhalb eines zunehmend maroden Siedlungskerns. Neubaugebiete wie das geplante Gebiet Wehräcker in Abstatt lehnt Flaig deshalb ab.
Einen weiteren Aspekt, der gegen die Ausweitung der Siedlungsgebiete spricht, brachte Andrea Hohlweck vom BUND ein. Sie beleuchtete einleitend die ökologische Bedeutung unbebauter Flächen und des Schutzgutes Boden für Natur, Klima und Gesundheit angesichts der Klimakrise und des Artensterbens, während die LWA den Prozess ihres "Zukunftswerkstatt" genannten Bürgerdialogs vorstellte.