Regionalverband Heilbronn-Franken
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Verbotene PFAS in Kirchardter Brunnen

21. November 2025

Im Rahmen einer bundesweiten Stichproben-Erhebung des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) zu PFAS in Trink- und Brunnenwässern gibt es erneut Auffälligkeit im Landkreis Heilbronn.

Probennahme für die BUND-Wasseranalysen von einem Brunnen auf der Anhöhe in Bad Wimpfen

Besorgniserregend ist dabei die Analyse eines zur Garten-Bewässerung genutzten Grundwasser-Brunnens aus Kirchardt. Als einzige Probe aus Baden-Württemberg war diese u. a. mit PFBS (Perfluorbutansulfonsäure) und PFOS (Perfluoroctansulfonsäure) belastet. PFOS ist in den meisten Anwendungen, einschließlich der Landwirtschaft, seit 2009 verboten. Dieser Stoff aus der Gruppe der „Ewigkeitschemikalien“ wird mit einer Reihe von Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht, darunter Leberschäden, ein erhöhtes Krebsrisiko, Beeinträchtigungen der Fruchtbarkeit und eine Schwächung des Immunsystems. „Zwar liegen die Werte unter den derzeitigen Grenzwerten, aber wir alle wissen, dass die Ewigkeitschemikalien in der Langfrist noch nicht bewertet werden konnten. Sie sammeln sich Jahr um Jahr in Umwelt und Organismen an“, so BUND-Regionalvorständin Dr. Karin Haug.

Weiterhin TFA-Belastung in Bad Wimpfen 

Auffällig ist erneut auch die Belastung eines Brunnens in Bad Wimpfen mit Trifluoracetat (TFA). Er befindet sich auf der Anhöhe oberhalb des Fluorchemie-Unternehmens Solvay. Mit rund 12 Mikrogramm pro Liter liegt seine TFA-Belastung über der Empfehlung des Umweltbundesamtes für dieses kleinste, aber stark toxische Molekül der als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichneten Stoffgruppe. TFA wird mittlerweile von drei Bundesinstituten als fortpflanzungsschädigend eingestuft. 

Insgesamt liegen die PFAS-Werte der baden-württembergischen Proben zwar unter den ab 2026 geltenden Grenzwerten für 24 PFAS – diese Gruppe schließt aber auch künftig z. B. das bislang unregulierte TFA oder auch Perfluorpropansäure (PFPrA) nicht ein. Beide Stoffe wurden jedoch bei den BUND-Stichproben am häufigsten und in den höchsten Konzentrationen gefunden. 

TFA-Werte in Böden, Getreide und Lebensmitteln nun im Fokus

„Dass die Trinkwasserproben insgesamt unter den künftig geltenden Grenzwerten liegen, darf uns nicht beruhigen“, so die Diplom-Chemikerin Haug. „Im Trinkwasser können PFAS zwar noch aufwändig mit weniger belastetem Wasser vermischt werden, um die Schwellenwerte einzuhalten, doch was ist mit unseren Lebensmitteln, unseren Böden, Flüssen und Bächen?“ Deshalb plant der BUND Regionalverband Bodenproben aus dem Umfeld von Bad Wimpfen auf PFAs und insbesondere TFA analysieren zu lassen. Denn im Sommer in Österreich veröffentlichte Testergebnisse zur dortigen TFA-Belastung von Getreideprodukten waren alarmierend: Die Bandbreite reicht von 13 µg/kg bei Roggen aus biologischem Anbau bis zu 420 µg/kg in Butterkeksen aus konventionellem Getreide. Das entspricht laut der Umweltschutzorganisation Global2000 dem 100- bis 1.000-Fachen der ohnehin bereits hohen TFA-Werte in Regen-, Grund- und Trinkwasser. Dass die Belastung der Böden hoch ist, zeigt auch eine aktuelle Studie des BUND Bundesverbands zu Hühnereiern: Es zeigte sich, dass Freilandeier aus Hobbyhaltung stärker PFAS belastet. Ein Grund ist, dass die Tiere u.a. belastete Regenwürmer fressen.

Ansprechpartnerin für die Presse: Dr. Karin Haug, Vorständin des BUND-Regionalverbands Heilbronn-Franken: 
dr-karin-haug(at)gmx.de

 

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