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Regionalverband Heilbronn-Franken

Internationaler Tag der Artenvielfalt (22.5.): Artensterben stoppen

22. Mai 2019 | Naturschutz, Lebensräume

BUND und BUNDjugend Baden-Württemberg küren die Gewinner*innen des BUND-Fotowettbewerbs. Das Siegerbild zeigt eine Gottesanbeterin und wurde im Ortenaukreis geschossen. Der Dritte Preis geht an Helga Rosenberger aus Schwaigern für ein Foto einer fütternden Rauchschwalbe

Stuttgart. Christoph Böhme aus Riegelsberg im Saarland hat das Gewinnerfoto bei einem Spaziergang in Sasbachwalden (Ortenaukreis) geschossen. Es zeigt eine Gottesanbeterin auf Beutejagd. Ebenfalls im Ortenaukreis entstanden ist das zweitplatzierte Bild. Hans-Joachim Grony entdeckte eine Ringelnatter auf einer Streuobstwiese im Naturschutzgebiet ´Saure Matten` bei Ettenheim. Der dritte Platz geht an Helga Rosenberger. Ihr Foto zeigt die Fütterung dreier Rauchschwalben-Jungen. Der Sonderpreis für den Artenschutz erhält Albrecht Nissler, der das Glück hatte, den seltenen Alpenbock vor die Linse zu bekommen. Insgesamt wurden 550 Naturfotos eingereicht. Zum Internationalen Tag der Artenvielfalt am 22. Mai präsentiert der BUND die Gewinner*innen-Fotos der Plätze 1 bis 5 sowie des Sonderpreises.
„Dem Fotografen ist in mehrfacher Hinsicht ein außergewöhnliches Foto gelungen. Zu sehen sind zwei Insekten, die heute in Baden-Württemberg immer seltener anzutreffen sind“, sagt Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesgeschäftsführerin des BUND in Baden-Württemberg und Mitglied der Jury. Die Gottesanbeterin steht in Baden-Württemberg auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Wie viele andere Insekten leidet sie unter Pestiziden, die in ihren Lebensraum gelangen. Auch das Bergkronwicken-Widderchen ist stark zurückgegangen. Seit 1840 hat sich der Bestand der Widderchen in manchen Gebieten fast halbiert.

„Beeindruckend ist auch der spannungsgeladene Moment, der auf dem Foto eingefangen ist. Jeden Augenblick könnte die Gottesanbeterin zum Angriff ansetzen und den Falter verspeisen.“ Und tatsächlich: Christoph Böhme hat das Foto bei einem Spaziergang in Sasbachwalden (Ortenaukreis) geschossen. „Äußerst interessiert betrachtete die Gottesanbeterin das Nektar saugende Widderchen. Offenbar prüfte es, ob der Falter in ihr Beuteschema passt. Die rote Warnfarbe war wohl abschreckend genug. Das Widderchen blieb unversehrt und die Gottesanbeterin hat sich davon gemacht“, so der Gewinner.

Hobby-Photographin aus Schwaigern auf Platz 3: Fütterung der Rauchschwalbenküken

Der dritte Preis geht an Helga Rosenberger aus Schwaigern (Landkreis Heilbronn). Sie fing mit ihrer Kamera den Moment ein, in dem eine Rauschwalbe auf ihre Jungtiere zufliegt und einem ihrer Jungen das Futter in den Schnabel legt. Ein seltener Anblick. Denn normalerweise füttern Rauchschwalben ihre Jungen in ihren Brutstätten. "Eine eindrucksvolle und seltene Momentaufnahme. Man hört beim Anblick des Fotos die Küken förmlich vor Hunger piepen ", so die Jury. Rauchschwalben haben einen sehr melodischen Gesang, der aus einzelnen Rufen zusammen gefügt wird. Man erkennt sie an ihrem „Wid-wid-wid“. Auch Rauchschwalben sind gefährdet. Sie brüten in halboffenen Nestern aus Lehm und Stroh meist in Kuhställen. Der Grund: Es gibt immer weniger Insekten. Durch den Rückgang der Rinderhaltung und durch die Sanierung von Gebäuden gibt es weniger Nistmöglichkeiten, durch die Asphaltierung von Feldwegen gibt es immer weniger Nestbaumaterial. IN Baden-Württemberg

Fotowettbewerb zum Schutz der Artenvielfalt

Der BUND Baden-Württemberg hat den Fotowettbewerb 2018 ins Leben gerufen, um für die Bedeutung der Artenvielfalt zu sensibilisieren. Jedes Jahr verschwinden viele Tier- und Pflanzenarten unwiederbringlich. Schaut man sich die Inventur der bedrohten Arten an, wird klar, die Situation ist alarmierend: Jede dritte der Tier- und Pflanzenarten in Baden-Württemberg ist gefährdet. Am stärksten betroffen sind Tagfalter. 80 Prozent sind bedroht, viele davon gar vom Aussterben. Bei den Säugetierarten sind es 70 Prozent der Arten, die gefährdet sind.

„Der UN-Weltbiodiversitätsrat hat vor wenigen Wochen in einem Bericht deutlich Alarm geschlagen. In den kommenden Jahrzehnten könnten weltweit eine Million Tier- und Pflanzenarten für immer verschwinden. Wir müssen die Warnungen Ernst nehmen und endlich handeln. Den Artenschwund zu stoppen ist eine der wichtigsten Menschheitsaufgaben unserer Zeit: Wir Menschen dürfen nicht weiter Pestizide und andere Schadstoffe in unsere Umwelt geben, Flüsse und Wiesen zubetonieren oder Wälder roden“, so Pilarsky-Grosch.

Aufruf das Artensterben zu stoppen

„Der BUND-Fotowettbewerb ist auch ein Aufruf, das Artensterben zu stoppen. Über fünfhundert Fotos haben uns erreicht. Jedes einzelne Bild zeigt einen besonderen Aspekt von Natur. Alle zusammen ergeben ein wundervolles Kaleidoskop der Tier- und Pflanzenwelt und sind gleichzeitig ein Weckruf, dass wir die Naturschätze unbedingt für die kommenden Generationen schützen müssen.“

Auf Entdeckungstour für die Natur: Die übrigen Preisträger

Dass es sich lohnt, auf Entdeckungsreise in die Natur zu gehen, zeigen auch die Plätze 2 bis 5:

Platz 2: Ringelnatter in der Streuobstwiese

BUND-Mitglied Hans-Joachim Gornys Foto zeigt eine Ringelnatter in einer Streuobstwiese im Naturschutzgebiet ´Saure Matten` bei Ettenheim im Ortenaukreis. Auch der Bestand der Ringelnattern ist in den letzten Jahren rapide zurückgegangen. Die Ursache: Die Vernichtung und Zerschneidung ihrer Lebensräume. „Die Ringelnatter auf dem Foto hat Glück, denn sie lebt auf einer Streuobstwiese. Diese typisch baden-württembergische Kulturlandschaft ist ein Hotspot der Artenvielfalt. 5.000 Tier- und Pflanzenarten leben hier. Auch viele seltene Arten, wie das Foto beweist“, so die Jury. Doch in den vergangenen Jahrzehnten sind Streuobstwiesen dramatisch zurückgegangen. Seit den 1960er Jahren haben sich die Baumbestände fast halbiert: Gründe sind der Flächenfraß durch den Bau von Straßen und Gewerbegebieten sowie die Umwandlung in Intensiv-Obstplantagen.

Platz 4:  Naturschutzgebiet Schwenninger Moos

Karin Laufer aus Villingen-Schwenningen hat das viertplatzierte Foto bei einer Fahrradtour durch das Naturschutzgebiet Schwenniger Moos aufgenommen. Das Regenmoor, das heißt es speist sich aus Regen, ist für den Artenschutz sehr bedeutsam. Mehr als 400 Pflanzenarten sind hier zu finden. Viele von ihnen sind stark gefährdet. Bereits 90 Prozent der Moore sind in Deutschland durch Torfabbau oder Entwässerung verschwunden. Die größte Bedrohung für die Moore sind Klimawandel und Trockenheit. Die weltweite Zerstörung der Moore, bewirken pro Jahr drei Milliarden Tonnen CO2, die zusätzlich in die Atmosphäre entweichen. Der BUND Schwarzwald-Baar-Heuberg setzt sich seit zwei Jahrzehnten für die Renaturierung und die Pflege des Schwenninger Mooses ein. Mit Grabensperren haben BUND-Aktive das Moos wieder vernässt und vor der Austrocknung geschützt.

Platz 5: Leuchtender Salamander

Der fünfte Platz geht an Charlotte Oberteis aus Althütte-Waldenweiler. Sie hat die beeindruckende Nahaufnahme eines Feuersalamanders während einer Wald-Wanderung bei Althütte im Rems-Murr-Kreis gemacht. „Die ganze Familie wollten bei dem Ausflug in die Natur unbedingt einen Salamander sehen. Unser kleines Abenteuer in die „Wildnis“ hat uns viele verborgene Orte gezeigt. Belohnt hat uns schließlich dieser kleine Kerl, der sich uns mutig entgegen gestellt hat“, so die Fotografin.

Sonderpreis Artenvielfalt: Stark gefährdeter Alpenbock
Einen Sonderpreis erhält BUND-Mitglied Albrecht Nissler aus Wolfschlugen im Landkreis Esslingen für seine Makroaufnahme eines Alpenbocks. Das Insekt ist eine FFH-Art. Die europäische Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie schützt natürliche Lebensräume und stark gefährdete Tiere und Pflanzen. Die Länder haben demnach eine große Verantwortung, diese Arten und ihre Lebensräume besonders zu schützen. In Deutschland kommt der Alpenbock nur in den bayrischen Nordalpen und im südlichen Baden-Württemberg vor. Der Fotograf über seinen seltenen Fund: „Im Bereich der Mittleren Schwäbischen Alb kann man diesem Juwel in den Buchenwäldern begegnen, wenn man zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, bei entsprechenden Wetterbedingungen unterwegs ist. Ich hatte das Glück, diese Tiere immer wieder vor die Linse zu bekommen, auch bei Paarungsaktivitäten, beim Revierkampf oder bei der Eiablage.“ Ihr Lebensraum der lichten Buchenwälder mit Totholz wird immer seltener.

Fotos mit Unterzeile:

·       Die Fotos der fünf Erstplatzierten sowie des Sonderpreises können Sie unter diesem Link herunterladen und im Zusammenhang mit dem Fotowettbewerb natürlich Baden-Württemberg mit Angabe des Fotoautors honorarfrei verwenden: https://cloud.bund.net/index.php/s/dSwGsqtLoHXE3J2

 

Weitere Informationen:
 

·       Gewinner*innen des Fotowettbewerbs Wildes Baden-Württemberg von 2018: https://www.bund-bawue.de/service/meldungen/detail/news/fotowettbewerb-maikaefer-siegt/

·       BUND zum Insektensterben: https://www.bund-bawue.de/themen/tiere-pflanzen/artenschutz/insektensterben/

·       Volksbegehren - Unterschriftenliste Rettet die Bienen: www.bund-bawue.de/UnterschreibeRetteDieBiene

·       BUND-Projekt Schmetterlingsland Baden-Württemberg: https://www.bund-bawue.de/themen/tiere-pflanzen/schmetterlingsland/

·       BUND-Projekt Schwenniger Moos: https://www.bund-sbh.de/themen-und-projekte/projekte/moorschutz/

 

Kontakt für Rückfragen:

  • Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesgeschäftsführerin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg e. V., sylvia.pilarsky-grosch(at)bund.net, 0172/8344294
  • Angela Koch, Referentin für Öffentlichkeits- und Pressearbeit BUND Baden-Württemberg, angela.koch(at)bund.net , 0176/240 4310

 

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