Regionalverband Heilbronn-Franken
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BUND fordert Ende des Emissions-Hotspots in Bad Wimpfen

04. Dezember 2025 | Klimawandel

Schon wieder ein Skandal um die Chemiefabrik von Solvay in Bad Wimpfen. Dieses Mal geht es nicht um die Ewigkeitschemikalien PFAS, sondern um das weltweit stärkste Klimakiller-Gas Schwefelhexafluorid, chemisch SF6.

Wie aufgrund von Presseveröffentlichungen der ZDF-Sendung „frontal“ und des Magazins „Spiegel“ am Dienstag bekannt wurde, liegt der Verdacht nahe, dass in Bad Wimpfen seit Jahren tausendfach mehr SF6 emittiert wird, als es das Chemieunternehmen offiziell den Behörden gemeldet hat: 56 kg Ausstoß pro Jahr hatte Solvay angegeben; Atmosphärenchemiker u.a. der Goethe-Universität Frankfurt errechneten, dass es eher 30 Tonnen sind. Solvay ist der einzige Hersteller von SF6 in Europa. Das Treibhauspotenzial des Gases liegt rund 23.500 höher als das von CO2. „Wenn die seitens der Fachwissenschaftler aus Bristol und der Goethe Universität Frankfurt ermittelten Zahlen auch nur ansatzweise stimmen, ist das ein Skandal bundesweiten Ausmaßes. Damit wäre der Standort Bad Wimpfen für einen bedeutenden Teil der deutschlandweiten SF6-Emissionen verantwortlich“, so Dr. Karin Haug, Regionalvorständin des BUND Heilbronn-Franken. Und nicht minder skandalös ist für den BUND, dass die Behörden laut Presseberichten offiziell seit 2023 davon wissen, aber weder die Emissionen bislang drastisch eingeschränkt, noch umgehend Messungen eingeleitet haben, um dem Verdacht nachzugehen. „Sie haben diesen Umweltskandal dadurch gedeckt und weiterhin möglich gemacht. Anscheinend verlassen sich die Behörden auf die Industrie, anstatt sie zu kontrollieren“, so Dr. Haug. 

Politisches Signal niederschmetternd, Behördenintransparenz enttäuschend

Dies alles sei ein Schlag ins Gesicht für all die Bürger*innen, Kommunen und Unternehmen, die die gesetzten Klimaziele ernstnehmen und in Wärmepumpen, Solaranlagen und klimaschonende Prozesse investieren. Das politische Signal dahinter ist niederschmetternd. 

„Eine Ohrfeige für unser eigenes Engagement ist die Tatsache, dass wir vom BUND uns seit vielen, vielen Monaten mit dem RP Stuttgart zum Fall Solvay auseinandersetzen. Sowohl schriftlich als auch bei Treffen in Stuttgart.“ Dass es dabei nur um die Ewigkeitschemikalie TFA gegangen sei, aber nie ein Hinweis auf den behördlich bestens bekannten SF6-Skandal gegeben wurde, spräche nicht für Transparenz und eine gute Zusammenarbeit mit den offiziell anerkannten Umweltverbänden. 

Der BUND fordert das Ende der gravierenden, umweltschädigenden Emissionslast, die vom Solvay-Standort in Bad Wimpfen ausgeht - zum Schutz von Mensch, Umwelt und Klima.

 

Hintergrund:

SF6, Schwefelhexafuorid, gilt als das schädlichstes Treibhausgas der Welt. Es wirkt 24.000-mal stärker als CO2. Einmal in die Atmosphäre gelangt, bleibt SF6 dort mehr als 3.000 Jahre bestehen, was die Erderwärmung langfristig verstärkt. Wegen seiner extrem klimaschädlichen Wirkung sind Unternehmen in Deutschland verpflichtet, ihre SF6-Emissionen zu melden. Die vermuteten 30 Tonnen SF6-Emissionen von Solvay in Bad Wimpfen entsprechen circa 729.000 Tonnen CO2. Wegen der Klimaschädlichkeit schränkt die EU die Verwendung von SF6 in den kommenden Jahren zunehmend ein. 

SF6 wird hauptsächlich als Isolier- und Löschgas in der Elektrotechnik eingesetzt, insbesondere in Mittel- und Hochspannungsschaltanlagen sowie gasisolierten Schaltanlagen (GIS).

Hier ist die Meldung zum Download:

 

Ansprechpartnerin für die Presse:

Dr. Karin Haug, Vorständin des BUND-Regionalverbands Heilbronn-Franken: 
dr-karin-haug(at)gmx.de, Tel.: 0162 4283064 

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