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Regionalverband Heilbronn-Franken

Rückenwind für pestizidfreie Gemeinden im Südwesten

22. Oktober 2018 | Chemie, Landwirtschaft, Schmetterlinge, Umweltgifte, Artenschutz

Rund 80 Teilnehmer trafen sich am 20.10.2018 auf Einladung des Aktionsbündnisses Gentechnikfreie Landwirtschaft im Rupert-Mayer-Haus Stuttgart zur Tagung "Rückenweind für pestizidfreie Gemeinden im Südwesten - Positionen und Prozesse". Die Tagung zeigte deutlich: Pflege der gemeindeeigenen Grünflächen ohne Pestizide ist möglich - und muss nicht teuerer sein. Die Zahl der Gemeinden, die über Pestizidverbote auf verpachteten landwirtschaftlichen Flächen diskutiert, nimmt zu.

„Rückenwind für pestizidfreie Gemeinden im Südwesten - Positionen und Prozesse" Tagung am 20. Oktober 2018 in Stuttgart

Stuttgart, 20. Oktober 2018. Unter dem Titel „Rückenwind für pestizidfreie Gemeinden im Südwesten“ lud das Aktionsbündnis gentechnikfreie Landwirtschaft in Baden-Württemberg nach Stuttgart ein. Rund 80 Teilnehmende diskutierten die Impulse hochkarätiger Experten aus dem In- und Ausland zur Pestizidanwendung und Pestizidreduktion im städtischen Umfeld und in der Landwirtschaft.
Das Aktionsbündnis gentechnikfreie Landwirtschaft Baden-Württemberg hatte sich das Thema auf die Fahne geschrieben, da dieses sehr eng mit dem Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen verknüpft ist und durch die Diskussion zu Glyphosat immer mehr in den politischen Fokus rückt.

Die Übernahme der Schirmherrschaft und des Grußwortes durch Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn zeigte deutlich, dass das Thema auch in Stuttgart hoch aktuell ist.

Anstatt die Anwender von Pflanzenschutzmitteln an den Pranger zu stellen und den Einsatz von Pestiziden zu verteufeln, wählte das Bündnis einen konstruktiven Weg, unterstützt durch die geladenen Referent*innen. Herr Prof. Dr. Johann Zaller von der Universität für Bodenkultur Wien, erläuterte im Einstiegsvortrag warum es wichtig und sinnvoll ist, den Einsatz von Pestiziden schnellstmöglich zu senken. Am Beispiel der Gemeinde Mals in Südtirol zeigte Andreas Schiebel, Filmemacher und Buchautor, wie sich der jahrelange Einsatz von Pestiziden auf Mensch und Umwelt auswirkt und welchen Weg die Menschen in Mals eingeschlagen haben, um den intensiven Einsatz von Pestiziden v.a. im Obstbau zu reduzieren. Für einige Teilnehmende, die im Bereich der Grünflächenpflege von Gemeinden arbeiten und die Tagung gezielt zur Fortbildung nutzten, waren die beiden Vorträge ein mitreißender Aufschlag, um das eigene Handeln vor Ort kritisch in den Blick zu nehmen.

Die Vertreter von NABU und BUND unterfütterten die politische Forderung nach Pestizidreduktion mit Zahlen und Fakten zum Pestizideinsatz und zur Entwicklung pestizidfreier Gemeinden in Deutschland. Dabei betonte Ralf Bilke vom BUND Landesverband NRW, dass es um sehr viel mehr als nur ein Verbot von Pflanzenschutzmitteln gehe: nämlich um zukunftsfähige ackerbauliche Maßnahmen und vorsorgenden Pflanzenschutz.

Am Nachmittag demonstrierte die Vertreterin der Firma Heatweed, Enisa Wittke, wie Unkrautbekämpfung ohne Pestizide erfolgreich durchgeführt werden kann. Manfred Jenning, Sachgebietsleiter Grünpflege der Stadt Bretten, die seit Jahren ohne den Einsatz von Pestiziden arbeitet, berichtete über den Weg zum Verzicht auf Pflanzenschutzmittel und gab Einblick in die praktische Arbeit vor Ort. Über den gezielten Einsatz von Wasserdampftechnik bis hin zur richtigen Blütenmischung für Insekten zeigten die beiden Referent*innen eine große Bandbreite an möglichen Handlungsfeldern auf.

Auch der Handel stellt in Sachen Umwelt und Naturschutz sehr weitgehende Forderungen und setzt eigene Standards. Dies machte der Vertreter der Firma tegut, Guido Frölich, deutlich. „Der Lebensmittelhandel hat die Politik in dieser Hinsicht längst überholt und arbeitet in eine erfreuliche Richtung“, kommentierte Gottfried May-Stürmer, einer der Sprecher des Bündnisses, den Beitrag von tegut.

Die Nase vorne in Sachen Pestizidreduktion hat nicht nur der Handel, sondern auch das Nachbarland Österreich, wie Helmut Burtscher-Schaden aus Wien von Global 2000 in seinem Bericht verdeutlichte. So untersagt das Land Kärnten seit Beginn 2018 mit einer neuen Pflanzenschutzmittel-Verordnung die Verwendung von Pestiziden wie Glyphosat auf öffentlichen Flächen. „Wenn die Verordnung in Kraft tritt, werden Kärntens Parks anders aussehen und anders riechen. Diese Entscheidung hat Leuchtturm-Charakter!", so Burtscher-Schaden.

Für die Sprecher des Aktionsbündnisses kam die Veranstaltung genau zum richtigen Zeitpunkt. „Unser Anliegen zu informieren und auf Gemeindeebene für konkrete Wege zu einer pestizidfreieren Umwelt zu werben, ist voll aufgegangen. Auch wenn der Schwerpunkt der Bündnisarbeit auf der Agro-Gentechnik liegt, so ist es uns heute gelungen einen konstruktiven Beitrag zur Pestizidreduktion zu leisten“, freuen sich die zwei weiteren Bündnissprecher Wolfgang Schleicher und Dr. Christian Eichert. Allerdings muss in diesem Bereich noch sehr viel mehr investiert werden, um im Gesamtsystem einer nachhaltigen, ökologischen und von den Verbraucher*innen akzeptierten Umwelt voranzukommen“, so Eichert.  

Pressemitteilung als pdf

 

 

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