Regionalverband Heilbronn-Franken

Klimaschutz mit Blatt und Borke

28. April 2020 | Klimawandel

Die Heilbronner Klimaanalyse empfiehlt der Stadt u. a. ein Mehr an Grünflächen, um die Aufheizung der Innenstadt in Zeiten des Klimawandels zu dämpfen. Deshalb unterstützt die Umweltschutzorganisation BUND die Anträge von BÜNDNIS 90/Die Grünen auf Pflanzung von 126.000 Bäumen und die Wiedereinführung der Baumschutzsatzung.

Besonders im stark versiegelten innenstädtischen Bereich Heilbronns werden im Zuge des Klimawandels die Temperaturen im Sommer sehr belastend sein. Empfohlen werden mehr Grünflächen und Luftschneisen.  (lapping / pixabay.com)

(Heilbronn, 28.04.2020) Ein April mit Rekorddürre, der zweitwärmste Winter der Wetteraufzeichnung und die ersten Waldbrände in Deutschland liegen hinter uns. Jahr um Jahr klettern die Durchschnittstemperaturen. Der Klimawandel ist da, auch bei uns in der Region. Höchste Zeit, auch vor Ort aktiv zu werden. „Jede Maßnahme, die hilft, den Ausstoß an Treibhausgasen runterzufahren ist wichtig, um eine weitere Erwärmung aufzuhalten“, so Gottfried May-Stürmer von der Regionalgeschäftsstelle des Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) in Heilbonn. Deshalb begrüßt die Umweltschutzorganisation den Antrag der Heilbronner Fraktion von BÜNDNIS90/Die Grünen von Ende Januar: Er sieht vor, dass für jeden Heilbronner Bürger, jede Bürgerin, ein Baum gepflanzt wird. „Auch die geplante Einbeziehung aller gesellschaftlicher Gruppen in die Pflanzaktion ist wichtig, denn sie weckt das Verständnis für die eigene Betroffenheit und die eigene Verantwortung für die Klimakrise“.

Vorsicht sei aber bei der Standortwahl geboten. Der Flächenbedarf für 126.000 zusätzliche Bäume beläuft sich nach städtischer Berechnung auf 24 ha. Es zeige sich aber, dass auf der Gemarkung Heilbronn aufgrund von starker Verdichtung und Zersiedelung nur noch wenig frei verfügbare Flächen der Kommune zur Verfügung stehen. Zwei waren in der Diskussion: Für die große Horkheimer Insel mit 22 Hektar Fläche existieren jedoch enge Naturschutzvorgaben, die für Baumpflanzungen wenig Spielräume bieten. Realistisch wären lediglich die 8 Hektar am „Neckarknie“ gegenüber dem Kohlekraftwerk der EnBW.

„Genau dieser Umstand zeigt auf, wie wichtig es ist, dass das bestehende Grün in der Stadt stärker geschützt wird“, so auch Jürgen Krüger, Vorsitzender der BUND-Ortsgruppe Heilbronn. So ermittelte die Gesamtstädtische Klimaanalyse des Ingenieurbüros Matthias Rau für die stark versiegelte Innenstadt z. T. hochbelastete Luft, starke Wärme-Inseleffekte sowie negative Windfeld-Veränderungen. Zu den darauf fußenden Empfehlungen zählen u. a. ein höherer Grünflächenanteil, Dach- und Fassadenbegrünung, Grünflächenvernetzungen und für den Luftaustausch mit dem kühleren Umland mehr Luftleitbahnen. „Wir kommen also nicht umhin, unser innerstädtisches Grün besser zu schützen – ob nun im Privaten oder auf kommunaler Ebene.“ Gerade Bäume seien multifunktionale, billige Klimaretter. „Sie binden CO2, sorgen nennenswert für Kühle durch Verdunstung und Schatten." Dies ist auch der Grund, weshalb der örtliche BUND hofft, dass auch ein weiterer Punkt aus dem Programm der Fraktion BÜNDNIS90/Die Grünen vom Gemeinderat umgesetzt wird: die Wiedereinführung der Baumschutzsatzung. Diese war 2003 außer Kraft gesetzt worden.

Angesichts der zu erwartenden Hitzesommer, der massiven Aufheizung von Gebäuden und Straßen im inneren Stadtgebiet, käme dem Schutz der Bäume für die Gesundheit der Anwohner aber große Bedeutung zu. „Dabei zählt jeder Baum“, so auch Jürgen Krüger. Auch mit einer Baumschutzsatzung seien Baumaßnahmen zu verwirklichen, sie müssten jedoch kompensiert werden, um den ökologischen Verlust für Klima, Natur- und Artenschutz auszugleichen. „Vor der Baumfällung würde so jeder zumindest zum Nachdenken bewegt. Gerade im Rahmen der Klimakrise ist das doch das Mindeste!" Außerdem zähle noch ein andere Argument: "Grüne Vegetation sorgt für ein harmonisches Stadtbild und tut uns einfach gut - nicht umsonst gilt Waldbaden in Japan als Medizin. Diese kleinen Gratis-Quellen fürs Wohlbefinden sollten wir uns doch in der Stadt bewahren."

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